„Geschüttelt, nicht gerührt“ – Erika

Wie man wohl schon hat merken können, liegt mir das kreative Chaos ja mehr als das Durchplanen meiner Aktivitäten. Das hatte zur Folge, dass ich die Anfrage nach einer Nachfärbung der Sommer-Charade Socken mit „umm… mal testen“ beantworten musste.

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Meine Notizen werden zwar ausführlicher, so dass ich beispielsweise alle Farbtöne der letztens hier vorgestellten Sockengarnfärbungen wieder in ihrer Grundmischung reproduzieren kann. Aber von der Wildfärbung von vor ein paar Wochen wusste ich nur noch, welches Grün da hineinging – immerhin.

Ich hatte mir bereits vorgenommen, das nachzuforschen, da mir die Färbung sehr gut gefällt. Ich habe eine erste Testfärbungsreihe mit drei Strängen gemacht, die auf jeden Fall zu Pink im Lila/Pinkteil ist. An dieser Testreihe ist übrigens gut zu sehen, warum ich das ursprünglich bereits „Wildfärbung“ genannt hatte. Bei dieser Färbemethode ist die Verteilung der Farben auf dem Strang nur sehr grob zu beeinflussen. Was ja das Spannende daran ist. All diese Stränge sind nach dem gleichen Farbverhältnis der zwei Hauptfarben gefärbt, mit recht unterschiedlichen Ergebnissen.

Um dem Ungewissen einen Namen zu geben, habe ich mir etwas zum Kessel passendes ausgedacht. Ich präsentiere: „Geschüttelt, nicht gerührt“ 🙂

Wenn eine meiner Färbungen unter diesem Motto steht, kann man sich auf eins verlassen: Es gibt keine sich halbwegs zuverlässig wiederholende Farbfolge. Siehe Testreihe „Erika I  bis III“.

Diese Stränge heißen nicht nur deswegen „Erika“, weil mich die Farben an blühendes Heidekraut erinnern.

Meine Oma Erika ist letzten Herbst im Alter von 101 Jahren verstorben. Sie war eine der aufgeschlossensten und modernsten älteren Damen, die mir je begegnet ist.

Sie las mit über 90 noch die Zeit im Abo – sie hat sie irgendwann gekündigt, weil ihr nicht gefiel, dass auch bei der Zeit ihrer Meinung nach der Text immer weniger und die Bilder immer größer würden. Sie ist in den letzten 20 Jahren durch diverse Seniorenresidenzen getingelt, den letzten Umzug hat sie hm.. mit Mitte 90? .. gemacht. Nach zwei, drei Jahren, wurde es ihr einfach langweilig, immer am selben Ort zu sitzen, dann musste wenigstens ein anderes Zimmer, wenn nicht gleich ein anderes Haus her.

Sie war eine bemerkenswerte alte Dame, die die Anfänge meiner Handspinnversuche sehr interessiert beobachtet hat; schließlich habe ich damals von ihr das Stricken und einiges andere an Handarbeiten gelernt. Leider ist der Kircher Webrahmen mit Untergestell, auf dem sie früher Wandteppiche und anderes gewebt hat, irgendwann verkauft worden. Heute hätte ich ihn gern als Erinnerungsstück hier stehen; vielleicht würde ich ihn ja sogar benutzen 😉 Ihr letztes großes Werk, eine Häkelpatchworkdecke, die sie mit Mitte 90 gefertigt hat, liegt hier aber zur Erinnerung auf unserem Sofa.

Diese bunten und sich wie sie immer neu sortierenden Stränge widme ich meiner Oma. Sie hätte viel Freude daran gehabt meinen Start in ein kleines Gewerbe zu erleben. Da bin ich leider ein Jahr zu spät gewesen.

Hitzestricken – oder auch die verstrickte Dienstagsfrage am Mittwoch

 

.. hm.. das ist jetzt vielleicht ein wenig erklärungsbedürftig 🙂 Das Wollschaf stellt jeden Dienstag eine „verstrickte Dienstagsfrage“. Heute ist Mittwoch.

Aber ich beantworte sie trotzdem mal, denn ich hatte eh vor, meinen neuen Post „Hitzestricken“ zu nennen, so heiß war es in der letzten Woche. Da die dieswöchentliche verstrickte Dienstagsfrage sich genau darum dreht, ignoriere ich die Tatsache, dass heute Mittwoch ist:

Das Wollschaf fragt: „Stricken und Hitze – verträgt sich das bei dir? Strickst du weniger, gar nicht, etwas anderes als sonst?“

Normalerweise geht das gar nicht. Hitze und ich passen eigentlich überhaupt nicht zusammen, ich bin bekennende Hitzeflüchterin. Dieses Jahr scheint alles anders zu sein. Das muss am langen Winter und verregneten Frühjahr liegen. Ich bin so im Strick- und Färbewahn und wollte so gern meine oben angestrickte Spaghettifärbung (Wildfärbung im Topf – Wollspaghetti) antesten, dass ich mich mit Liegestuhl in die Sonne gelegt und stur meinen Wollsocken gestrickt habe. Mir wurde schon beschieden dass es aber komisch sei, dass ich bei diesem Wetter Wollsockenfotos veröffentliche. Bekanntermaßen stört es mich nicht besonders, komisch zu sein 😉

Das war vor 3 Tagen. Zugegebenermaßen wurde es aber vorgestern dann so heiß, dass ich doch lieber das Spinnrad auf die Terrasse geschleppt habe. Gestern schließlich habe ich ganz die Segel gestreckt und habe im Haus vor mich hingestrickt, da war es kühl.

Da man es mir ja nie Recht machen kann, bin ich jetzt am Zittern, ob das Wetter bitte am Wochenende wieder heiß und sonnig werden könnte, da wir ein Haus voller Besuch bekommen, mit dem wir nicht geplant hatten nur im Haus zu sitzen – und heute Abend hat das erste der für die nächsten Tage angekündigten Gewitter eingesetzt.

Unsere Regentonne war heute Nachmittag noch ganz leer. Jetzt sieht sie so aus:

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Ich bin durchaus bereit, noch weiteres Hitzestricken auf mich zu nehmen, aber bitte, bitte… kein Dauerregen am kommenden Wochenende!