Wollige Vielfalt

Als ich vor Jahren wieder das Handarbeiten angefangen habe, hätte ich nicht gedacht einmal in so viele verschiedene Aspekte der Wollverarbeitung einzutauchen.

Über das Häkeln doch wieder zum Stricken gekommen, als Neuentdeckung das Spinnen gelernt, die Farbvielfalt eigener Panschereien erkundet –  und jetzt ist auch noch spontan ein Webstuhl bei mir eingezogen.

Ich habe die Reihenfolge – Webschnupperkurs machen und dann nach Webstuhl umsehen – natürlich mal wieder nicht hinbekommen. Stattdessen lief mir vor dem (jetzt gebuchten) Schnuppertag im Kloster Lüne ein gebrauchter Webstuhl über den Weg, den ich aufgrund der für mich perfekten Maße und des vergleichsweise günstigen Preises gleich eingesammelt habe.

Mein „neuer“ Webstuhl ist ein Glimakra Ideal aus den 80ern mit 100cm Webbreite. Mit vier Schäften und Rollenzug und einer recht kompakten Bauweise, die der Platzfindung nützlich war. Er wäre sogar noch ausbaufähig auf Kontermarsch und mehr Schäfte, aber so wird er mir bestimmt eine ganze Weile reichen.

Nachdem ich jetzt eine Zubehörbestellung aufgegeben habe, kann ich Euch eins verraten: So mancher Webstuhl, der auf den ersten Blick gebraucht teuer erscheinen mag, könnte sich als Schnäppchen entpuppen, wenn viel Zubehör dabei ist. Denn das ist keinesfalls für nen Appel und’n Ei zu erstehen! In der Gesamtbilanz bin ich aber immer noch gut weggekommen, auch wenn ich als dringliches Zubehör neben ein bisschen Webgarn ein weiteres Webblatt, einen Reedekamm und Litzennachschub bestellt habe.

Ich plane die Verarbeitung vieler handgesponnener Garne neben dem unvermeidlichen „Neustash“ an klassischen Webgarnen wie Cottolin und Co.

Eine heldenhafte Spinn-Freundin ist mir auch gleich zur Hilfe geeilt und hat mit mir einen Nachmittag und Abend lang den Webstuhl eingerichtet, so dass ich gleich loslegen konnte. Der erste Tischläufer ist gewebt, und ich habe schon viel gelernt.

Das Erstwerk besteht aus einer Sockengarnkette (handgefärbt mit Säurefarben und Löwenzahnblüten) und einem handgesponnenen Schurwollgarn. Ich habe wild Köpermuster ausprobiert und frei Schnauze kombiniert.

Den Rest der Kette webe ich mit einem weiteren handgesponnenen Garn (Babykamel/Schurwolle miteinander verzwirnt) zu – hoffentlich – Platzsets.

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Zickzack in 2/2 Köper

 

Danach wird sich zeigen, ob mein Optimismus bezüglich des Ketteaufziehens in Eigenregie gerechtfertigt ist 😉

 

 

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Ich habe eine Kette geschärt :)

2013-06-10 11.18.13

Gestern hatte unsere Spinngruppe wieder ein Treffen, damit man sich auch mal außerhalb des weltweiten Webs mal zu Gesicht bekommt. Ein bisschen Klönschnack, mitgebrachte Leckereien, Spinnräder, Wolle, Spindeln… was will frau mehr! Bei dem schönen Wetter haben wir uns auf unserer Terrasse breitgemacht, das musste man ja ausnutzen.

Der gestrige Tag war aber nicht nur zum Spinnen gedacht – ich hatte mir Händchenhalten für das Schären einer Kette auf meinen 50er Gatterkammrahmen gewünscht. Sowas habe ich vorher noch nie gemacht, und auch wenn es gute Anleitungen zum Direktschären einer Kette im Netz nachzulesen gibt, war meine Motivation, das ohne fachkundige Hilfe im Alleingang anzugehen, irgendwie sehr niedrig. Aber so war es ein Klacks – nur sehr viel Arbeit! Das Ergebnis könnt Ihr auf dem Foto bewundern. Ich habe tatsächlich außer diese Kette zu schären und mich zwischendrin ein wenig zu unterhalten nichts anderes hinbekommen an dem Nachmittag! Bald kann es losgehen mit dem Weben, ich bin schon sehr gespannt.

Die Kette ist handgefärbte Sockenwolle, und für den Schuss werde ich handgesponnenes Garn verwenden. Da muss ich erst noch ein wenig mehr spinnen, bis ich ausreichend zusammenhabe. Da die Kette aber nur 2,50m lang und 40cm breit ist, hält sich der Garnbedarf wohl in überschaubaren Grenzen.