Pflanzenfärbung: Bluthaselblätter

In den letzten Wochen hatte ich leider wenig Zeit und Ruhe zum Färben. Sämtliche Wochenenden waren und sind mit Terminen bestückt, und gegen Schuljahresende ist bei beiden Kindern auch so einiges an Extraaufwand zu betreiben.

Letzte Woche habe ich aber spontan den Bluthaselbusch im Garten gestutzt. Das hatte ich mir extra aufgehoben, um mit den frischen Blättern ein Farbexperiment zu wagen.

Alles köchelt im Topf

Alles köchelt im Topf.

 

Mein Rezept: Blätter in den Topf, vorgebeizte Wensleydale-Wolle in den Topf, 2 Stunden (oder 3?) darauf herumköcheln. Ausstellen und warten, bis am nächsten Morgen alles abgekühlt ist.

Ich habe keine Ahnung, wieviel Gramm frische Blätter im Topf landeten. Der große Einkochtopf war aber gut zur Hälfte befüllt damit. Vermutlich hätte ich noch einen Zug färben können, aber ich hatte kein gebeiztes Färbegut mehr.

Der Farbton ist irgendwo zwischen Gifthellgrüngelb und Leuchtendgelblichhellgrün. Im Sonnenlicht sieht es deutlich gelber aus, aber so oder so gefällt mir die Farbe so gut, dass ich bereits plane, das auf Sockengarn auszutesten.

Wensleydale mit seiner haarigen Struktur glänzt ja besonders schön. Aber ich hoffe, dass auch auf Sockengarn ein schöner knalliger Farbton herauskommen wird. Mein armer Busch muss wohl noch einmal gerupft werden …

Färben mit Baumrinden

Was man so findet, wenn man seinen Abstellraum aufräumt:

Ein Päckchen Faulbaumrinde, das eine Freundin mir mal zum Färben geschenkt hatte, sprang mir ins Auge. Ach ja, und da war ja noch der Eimer mit Kaltbeize…da hatte ich doch Wolle eingelegt…

Kurze Zeit später brodelte mein alter Emaille-Einwecktopf mit Rindenstückchen vor sich hin. Abgeseiht ergab das dann eine bräunliche Brühe, die ich als Farbflotte zum Färben der gebeizten Wolle verwendete.

Das Ergebnis auf süddeutscher Merinowolle war orange statt wie erwartet goldbraun. Aber das Pflanzenfärben steckt ja bekanntlich voller Überraschungen.

Nach dem Trocknen kardierte ich das Ergebnis mit naturbrauner Bluefaced Leicester Wolle zu fluffigen Batts und beschloss, dass ich weitere Experimente wagen könnte.

Einige Tage später bemerkte ich, dass meine Nachbarn ihren Apfelbaum recht großzügig ausgeschnitten hatten.

Apfelbaumrinde… da war doch was? Gedacht, abgeschält, eingeweicht, ausgekocht, gefärbt.

Das hier kam bei meiner Färbung mit frischer Apfelbaumrinde heraus – ich bin schwer begeistert! Ich glaub, ich muss gucken, ob da immer noch Zweige liegen und mir einen kleinen Vorrat anlegen.

Die ersten Batts der Orangefärbung sind schon als dünner Single auf meinem Tom gelandet. Der Plan ist, aus den 600g ein dreifädiges Garn zu spinnen, das dann vielleicht mal ein Pulli werden kann. Oder eine Jacke? Wenigstens eine Weste!