Gruß vom Frühlingsmaler

Die Vögel zwitschern morgens, die Sonne lachte diese Woche schon so richtig frühjahrsmäßig, und auch mein Fahrrad wurde schon etwas bewegt.

Eigentlich ist Ende Februar ja noch alles drin, was Frost und Schnee angeht. Aber ich finde, der Frühling liegt in der Luft. Auf Winter bin ich gar nicht mehr eingestellt!

Inspiriert vom Sonnenschein habe ich diese Woche fleißig in Farbtöpfen gerührt und einen Schwung kuschliger Kammzüge gefärbt.

Heute zeige ich den „Gruß vom Frühlingsmaler“, gefärbt auf Shetland/Tussahseide. Vielleicht lockt dieser Kammzug ja bald die leuchtenden lila Krokusse und strahlend blauen Primeln hervor, an die er mich erinnert 🙂

 

„Geschüttelt, nicht gerührt“ – Erika

Wie man wohl schon hat merken können, liegt mir das kreative Chaos ja mehr als das Durchplanen meiner Aktivitäten. Das hatte zur Folge, dass ich die Anfrage nach einer Nachfärbung der Sommer-Charade Socken mit „umm… mal testen“ beantworten musste.

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Meine Notizen werden zwar ausführlicher, so dass ich beispielsweise alle Farbtöne der letztens hier vorgestellten Sockengarnfärbungen wieder in ihrer Grundmischung reproduzieren kann. Aber von der Wildfärbung von vor ein paar Wochen wusste ich nur noch, welches Grün da hineinging – immerhin.

Ich hatte mir bereits vorgenommen, das nachzuforschen, da mir die Färbung sehr gut gefällt. Ich habe eine erste Testfärbungsreihe mit drei Strängen gemacht, die auf jeden Fall zu Pink im Lila/Pinkteil ist. An dieser Testreihe ist übrigens gut zu sehen, warum ich das ursprünglich bereits „Wildfärbung“ genannt hatte. Bei dieser Färbemethode ist die Verteilung der Farben auf dem Strang nur sehr grob zu beeinflussen. Was ja das Spannende daran ist. All diese Stränge sind nach dem gleichen Farbverhältnis der zwei Hauptfarben gefärbt, mit recht unterschiedlichen Ergebnissen.

Um dem Ungewissen einen Namen zu geben, habe ich mir etwas zum Kessel passendes ausgedacht. Ich präsentiere: „Geschüttelt, nicht gerührt“ 🙂

Wenn eine meiner Färbungen unter diesem Motto steht, kann man sich auf eins verlassen: Es gibt keine sich halbwegs zuverlässig wiederholende Farbfolge. Siehe Testreihe „Erika I  bis III“.

Diese Stränge heißen nicht nur deswegen „Erika“, weil mich die Farben an blühendes Heidekraut erinnern.

Meine Oma Erika ist letzten Herbst im Alter von 101 Jahren verstorben. Sie war eine der aufgeschlossensten und modernsten älteren Damen, die mir je begegnet ist.

Sie las mit über 90 noch die Zeit im Abo – sie hat sie irgendwann gekündigt, weil ihr nicht gefiel, dass auch bei der Zeit ihrer Meinung nach der Text immer weniger und die Bilder immer größer würden. Sie ist in den letzten 20 Jahren durch diverse Seniorenresidenzen getingelt, den letzten Umzug hat sie hm.. mit Mitte 90? .. gemacht. Nach zwei, drei Jahren, wurde es ihr einfach langweilig, immer am selben Ort zu sitzen, dann musste wenigstens ein anderes Zimmer, wenn nicht gleich ein anderes Haus her.

Sie war eine bemerkenswerte alte Dame, die die Anfänge meiner Handspinnversuche sehr interessiert beobachtet hat; schließlich habe ich damals von ihr das Stricken und einiges andere an Handarbeiten gelernt. Leider ist der Kircher Webrahmen mit Untergestell, auf dem sie früher Wandteppiche und anderes gewebt hat, irgendwann verkauft worden. Heute hätte ich ihn gern als Erinnerungsstück hier stehen; vielleicht würde ich ihn ja sogar benutzen 😉 Ihr letztes großes Werk, eine Häkelpatchworkdecke, die sie mit Mitte 90 gefertigt hat, liegt hier aber zur Erinnerung auf unserem Sofa.

Diese bunten und sich wie sie immer neu sortierenden Stränge widme ich meiner Oma. Sie hätte viel Freude daran gehabt meinen Start in ein kleines Gewerbe zu erleben. Da bin ich leider ein Jahr zu spät gewesen.

1. September – Markt in Stelle

Nicht nur große, auch kleine Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Heute habe ich wieder Garne statt Spinnfasern gefärbt, denn ich möchte am 1. September auf einem kleinen Kunsthandwerkermarkt in Stelle meine Garne herzeigen.

Heute habe ich erst einmal „Mädchenfarben“ gefärbt. Ich habe zwar das Gefühl, ich hätte ja quasi nur Pink gefärbt in der letzten Zeit, wieso jetzt eigentlich schon wieder Pink?! Doch musste ich feststellen, dass ich zwar alles Mögliche in Pink hier liegen habe, aber normales Sockengarn war gar nicht dabei. Gute Ausrede also, mal dem Wunsch einer Freundin nachzugeben und hemmungslos Pink/Türkis/Lila an das Trekking-Garn zu bringen! Und ein sonniges Gelborange, damit mir der Sommer gut in Erinnerung bleibt.

Dieser Tage werde ich einen Großteil meiner Rohgarnvorräte färben, damit ich eine schöne Auswahl anbieten kann. Natürlich nicht nur in Mädchenfarben. Und sollte in Stelle kein wolliges Publikum anzutreffen sein, dann bleibt mir noch der Kirch- und Markttag in Salzhausen, für den ich jetzt auch fest angemeldet bin. Ich drücke gaaaaanz fest die Daumen, dass das Wetter ein Einsehen hat und die Sonne lacht. Denn auf einen Schlechtwetterstand bin ich so gar nicht vorbereitet.

Ich bin ein bisschen traurig, dass das Sommerende schon so greifbar ist; überall sind schon die Spinnweben des Altweibersommers anzutreffen. Dann werde ich bald meine Garne drinnen zum Trocknen aufhängen müssen. Immerhin gibt es diverse Termine, auf die ich mich schon freue, und die Stricksaison beginnt dann erst so richtig. Das ist auch schön!

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Sommer, Sonne, Hitzeanbetung

Während ich mich bei zu großer Hitze ja lieber ins Haus flüchte, finden meine Katzen (die sich im Winter gern vorm Ofen rösten) das anhaltende Sommerwetter mal so richtig schick! Üblicherweise liegen sie dann plätsch in der Sonne herum. Aber unsere Kleine, Codename „Klein-Quaki“,  hat etwas neues entdeckt: Das heiße Autodach! Im Schatten gelegen, so dass man nicht sehr blinzeln muss, aber von unten so richtig schön kuschelig – bei sowieso schon knappen 30 Grad im Schatten… Katzen sind komisch. Ich habe das Auto dann nach einer Zwangsräumung des Daches weggefahren, und mich traf drinnen fast der Hitzeschlag!

Aber wer sich im Winter die Nase fast an der Ofentür wegbrutzelt, den stört vermutlich die Bratpfannenatmosphäre des Autodachs auch nicht mehr.

Ich nutze dieses Wetter ja vor allem zum Wolletrocknen. Es ist so viel angenehmer, nicht tropfnasses Garn oder Fasen durchs Haus hüsern und dort ein Plätzchen finden zu müssen, wo es ungestört und vor allem in halbwegs akzeptabler Geschwindigkeit trocknen kann. So hat halt jeder auf seine Weise Spaß an dem Wetter 🙂

Der kommende Winter braucht Farbe

 

Gestern habe ich mich mit 6fädiger Sockenwolle befasst. Da ich die selbst auf Strang haspeln muss, ist das leider etwas aufwendiger als die 4fädige, die ich gleich auf Strang einkaufe. Glücklicherweise habe ich gebraucht eine merkwürdige Haspel aus … den 70ern? 80ern? für kleines Geld erstehen können. Ein wenig juckelig ist sie, aber dank einer Kurbel ist sie viel besser geeignet als die Schirmhaspel, um Stränge auf- und nicht abzuwickeln. Man muss auch mal Glück haben und das finden, was man in dem Moment grad sucht 🙂

Ich habe gleich 140g pro Strang gewickelt, damit es auch für ein Paar Socken reicht. Bei der 6fädigen ist der Verbrauch ja höher, da die Lauflänge geringer ist. 140g sollte für das meiste reichen – bei Industriegarn hat man meist 150g Knäul, da blieb bei mir immer ein relativ großer Rest. Damit ein Strang dann nicht gar so teuer sein muss, habe ich erstmal etwas weniger angesetzt. Ob es dabei bleibt, oder doch 150g bevorzugt werden, das wird sich zeigen.

Das ist eine Auswahl der gestrigen Färbungen, und die meisten fallen ziemlich gut in mein Beuteschema. Ich mag’s ja gern bunt – vielleicht, weil ich auch viel Schwarz trage, da ist ein bunter Kontrast immer schön. Aber die meisten von diesen werde ich brav in den Dawanda Shop bringen, wenn sie nicht vorher schon Liebhaber finden.

Ich freue mich schon darauf, selbst ein Paar Socken aus der 6fädigen von Atelier Zitron zu stricken. Die Garnqualität überzeugt mich wirklich sehr, und ich muss ja schließlich Vorzeigeexemplare haben, wenn ich mit dem Garn auf Märkte ziehe, nicht wahr?!

 

Färben färben für Dawanda..

Während sich (und mich) so manch einer fragt, wann ich denn vorhätte mal mit einem Onlineshop loszulegen, bastele ich im Hintergrund am Dawanda-Auftritt; ich denke mir, dass es ja schon wichtig wäre, beim Start auch ein gewisses Anfangsangebot zu haben. Damit ich also nicht nur mit 5 Strang gefärbten Garns und 2 Kammzügen dastehe, will erstmal vorgelegt werden. Ich stelle gerade nach und nach fertige Artikel in den Shop ein, die dann vorraussichtlich nächste Woche „aktiviert“ werden. Mit einem Tusch. Oder so.

Und bis so ein Kammzug verkaufsbereit ist, geht wirklich Zeit ins Land. Allein das Nachbearbeiten der gefärbten Wollschlangen verschlingt mindestens soviel Arbeit wie das Färben (und die Vorbereitung, bis das Färben losgehen kann) selbst. Auch ich möchte keinen vom Färben noch zusammengepappten Wollwust kaufen, also wird nach dem Trocknen geflufft, was das Zeug hält. Ich habe schon ernsthaft über die Einführung der Kinderarbeit in diesem Haushalt nachgedacht 😉

Diesmal habe ich Bluefaced Leicester (BfL) mit Milchseide gefärbt. Und wow, das glitzert in der Sonne wie verrückt! Die Milchseide nimmt die Farben auch sehr schön an, so dass man nicht zwangsläufig auf Pastelltöne hinarbeitet.

Einer der Kammzüge heißt „Kesselwollke“ – da ist noch etwas mehr Weißanteil in den Farbpartien geblieben. Ich mag diese Art der Färbung sehr: Die Farben werden beim Verspinnen zarter, aber durch die unterschiedlichen Farbintensitäten, wo beim Zwirnen dann mal kräftige Farben, Weiß und Mischtöne in unterschiedlichen Kombinationen aufeinandertreffen, erhält man ein sehr lebendiges Garn. Natürlich ist je nach Art des Zwirnens, der Dicke des Singles und so weiter der Effekt jedesmal anders – aber das ist ja das Tolle am Spinnen. Ich mag Überraschungseffekte 🙂