Veränderungen

Es ist ruhig geworden um meine Färberei. Das hat vielerlei Gründe.

Zum einen missfällt es mir, dass Kleingewerbler wie ich, die nur gelegentlich etwas herstellen und verkaufen, mit dem ständigen Änderungen in den Gesetzen zum Onlineverkauf überproportional (zum Verkaufsvolumen) belastet werden. Ob wir nur alle zwei Monate ein kleineres Angebot einstellen oder jede Woche 30 Stränge zum Verkauf stellen – die Abmahner, die auf Fehlersuche sind, interessieren solche Details nicht. Sich für mein hobbymäßig betriebenes Kleinstgewerbe jedes Jahr die Rechtsberatung zu leisten frisst mir ein zu großes Loch in den schmalen Umsatz. Mal abgesehen von so lustigen Details wie der auch alljährlich anfallenden Verpackungsverordnungsgebühr.

Daher werde ich meine Verkäufe nur noch direkt abwickeln, sei es zu Hause oder auf dem ein oder anderen Markt in der Nähe.

Aber auch meine Freizeit ist seit letztem Herbst enorm geschrumpft. Seit Ende September engagiere ich mich in der Flüchtlingshilfe Salzhausen. Dort wurde, wie in vielen anderen Gemeinden auch, eine Wohnanlage errichtet, und Salzhausen hatte nun gut 50 neue Bürger. Aus dem Sudan, aus Syrien, Simbabwe ..

Für den ehrenamtlichen Helferkreis leite ich die Deutschgruppe, in der sich knapp 20 freiwillige Bürger engagieren, um den Asylbewerbern beim Erlernen unserer Sprache zu helfen. Neben dem eigentlichen Unterricht kümmere ich mich auch um Organisationsfragen, organisiere Räume, erarbeite Konzepte .. es ist eine sehr spannende und wie ich finde auch sehr lohnende Aufgabe.

Damit dieser Post nicht ganz unwollig bleiben muss, möchte ich aber auch noch zeigen, was unsere Spinngruppe letztens so getrieben hat 🙂 Einige von uns haben sich an Coils versucht. Art Yarn ist nun nicht so meine Spezialität, aber es hat wirklich Spaß gemacht!

Einiges davon habe ich in ein Geburtstagsgeschenk an eine Freundin verstrickt. Ich habe normales dick-dünn Garn der gleichen Fasern mit den Coils abgewechselt. Um die Coils nicht einfach ins Gestrick zu quetschen, habe ich sie vor dem Gestrick entlanggeführt (die dahinter liegenden Maschen wurden in der entsprechenden Reihe dann einfach abgehoben).

Von meinem neuen Webprojekt berichte ich demnächst einmal. Auch wenn ich mir momentan weniger Zeit nehme, meine diversen Werkeleien zu dokumentieren, habe ich trotzdem noch diverse Projekte gleichzeitig am Laufen. Aber haben wir das nicht alle… 😉

Färben mit Baumrinden

Was man so findet, wenn man seinen Abstellraum aufräumt:

Ein Päckchen Faulbaumrinde, das eine Freundin mir mal zum Färben geschenkt hatte, sprang mir ins Auge. Ach ja, und da war ja noch der Eimer mit Kaltbeize…da hatte ich doch Wolle eingelegt…

Kurze Zeit später brodelte mein alter Emaille-Einwecktopf mit Rindenstückchen vor sich hin. Abgeseiht ergab das dann eine bräunliche Brühe, die ich als Farbflotte zum Färben der gebeizten Wolle verwendete.

Das Ergebnis auf süddeutscher Merinowolle war orange statt wie erwartet goldbraun. Aber das Pflanzenfärben steckt ja bekanntlich voller Überraschungen.

Nach dem Trocknen kardierte ich das Ergebnis mit naturbrauner Bluefaced Leicester Wolle zu fluffigen Batts und beschloss, dass ich weitere Experimente wagen könnte.

Einige Tage später bemerkte ich, dass meine Nachbarn ihren Apfelbaum recht großzügig ausgeschnitten hatten.

Apfelbaumrinde… da war doch was? Gedacht, abgeschält, eingeweicht, ausgekocht, gefärbt.

Das hier kam bei meiner Färbung mit frischer Apfelbaumrinde heraus – ich bin schwer begeistert! Ich glaub, ich muss gucken, ob da immer noch Zweige liegen und mir einen kleinen Vorrat anlegen.

Die ersten Batts der Orangefärbung sind schon als dünner Single auf meinem Tom gelandet. Der Plan ist, aus den 600g ein dreifädiges Garn zu spinnen, das dann vielleicht mal ein Pulli werden kann. Oder eine Jacke? Wenigstens eine Weste!

Schönwetterspinnen auf dem Bliss von Woolmakers

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Dieser Tage schnappe ich mir gern das angenehm leichte Bliss-Rad und setze es vor die Bank auf die Holzterrasse. Das gute Wetter muss ich schließlich ausnutzen, bevor mich das norddeutsche Klima wieder ins Haus treibt. Nicht zuletzt um die Eigenschaften des Spinnrades zu prüfen, spinne ich momentan gern auf dem Bliss Spinnrad. Auch nach einigen gesponnenen Strängen mag ich das Rad noch sehr und bereue die Ausgabe nicht. Die Leichtigkeit des Einzeltrittrads macht es für mich zu einem schönen Zweitrad neben meinem schweren Buchenholz-Tom aus dem Hause Walther. Im Augenblick ist die zweithöchste Übersetzung meine Lieblingsübersetzung, auch mit einem Bein lässt es sich bis zum Ende der Spule noch sehr schön leicht treten. Seine Abhängtauglichkeit hat dieses Rad bereits zur Genüge bewiesen, wenn’s grad nicht auf Schönheit ankommt, lümmele ich mich auf das Sofa und hänge gemütlich ein Bein zum Treten raus – klappt prima 😉

Wunschlos glücklich bin ich trotzdem nicht, denn leider klappert mein Bliss doch ein wenig geräuschvoller, als ich es mir wünschen würde. Nicht extrem aufdringlich, aber eben nicht „lautlos“ – das Surren der Bremse hört man ja bei spulengebremsten Rädern eh immer mal, aber ein leichtes spulenklapperndes Geräusch gesellt sich dazu. Vielleicht bin ich auch etwas verwöhnt von den vielen wirklich leisen Walther-Rädern, die ich kennengelernt habe, und auch die ersten Rezensionen lobten ausgiebig die Geräuschlosigkeit des Rades, was die Erwartungen natürlich (vielleicht etwas unfairerweise) sehr hoch geschraubt hat. Da erreicht mein Bliss also nicht die volle Punktzahl. Ich meine mich zu erinnern, irgendwo gelesen zu haben, dass die kugelgelagerten Spulen meines Toms auf das Bliss passen könnten. Wenn ich diese Spule voll habe, werde ich das  probieren.

Ich vermute auch, dass gewiefte Spinnradperfektionierer  noch etwas Geräuschreduzierung herausholen könnten; ich bin bei solchen Dingen leider etwas unmotiviert. Wenn die Ölflasche nicht hilft und mich kein Geräuschverursacher offensichtlich anspringt, dann zucke ich schnell mit den Schultern und lasse das Geräusch ein Geräusch sein. Es soll angeblich auch einen Unterschied machen, wie der Spinnflügel auf die Achse aufgesetzt ist, eine 180 Grad Drehung bewirkt wohl eine minimale Positionsänderung. Hört sich für mich aber alles gleich an.

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Momentan habe ich BfL auf dem Rad, eine Naturfarbe. Als ich das letztemal ein hellbraunes BfL hatte, war es ein gleichmäßiges beige, ein sehr hübscher Farbton. Diesmal hat meine Bestellung mir eher eine Melange eingehandelt, bei genauerem Hinsehen erkennt man Fasern aller möglicher Naturfarben, die zusammen einen hellen Braunton ergeben. Ich bin gespannt, wie das als fertiges Garn wirkt. Ich hoffe  immer noch, dass ich mir mal ausreichend Garn für eine Strickjacke zusammenspinnen werde, daher hatte ich mir insgesamt 1kg BfL unterschiedlicher Naturfarben bestellt. Die Idee ist, das nach und nach zu verspinnen, bis ich genug zusammenhabe. Schickt gern eine Runde Durchhaltevermögen rüber!

Unverhofft kommt oft

Obwohl ich bis vor drei Tagen davon noch gar nichts wusste, war ich gestern auf dem Salzhäuser Markt präsent. Meine blumenverkaufende Freundin, die dort jeden Freitag ihre Sträuße und Pflanzen feilbietet, hat mich zum Anlass des sechsten Marktgeburtstages dorthin gequatscht. Erst musste sie mich überzeugen (denn ich war gar nicht darauf vorbereitet), dann hat sie die zu fragenden Markthüter durchtelefoniert. Und schwupps saß ich gestern Nachmittag mit Spinnrad, Kammzügen und einer Kiste voller handgefärbter Garne als Kuriosum beäugt auf dem Marktplatz.  Ein neugierig zuschauendes Mädchen hielt mein Spinnrad dann auch prompt für eine Nähmaschine, als ich nachhakte, ob sie denn wüsste, was das für ein Ding sei.

6. Marktgeburtstag Salzhausen

6. Marktgeburtstag Salzhausen

Mein schönes Tom Walther Spinnrad hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und so kam ich im Laufe des Nachmittags mit so vielen Leuten ins Gespräch, dass ich abends glatt ein wenig heiser war. Ich hatte mir von dem Nachmittag vor allem einen gewissen Werbeeffekt für die Zukunft versprochen; momentan ist ja nicht gerade Stricksaison, und mit Interessenten für Kammzüge habe ich gar nicht gerechnet, die hatte ich eher so als Dekoration zum Thema Spinnen dabei. Neben einigen an den Garnen interessierten Strickerinnen habe ich auf dem Markt in Salzhausen aber tatsächlich drei Spinnerinnen und zwei ernsthaft interessierte Spinnwillige getroffen! Ich glaube, ich sollte mich öfter mit Spinnrad in die Gegend stellen, damit ich mal alle diejenigen kennenlerne, die nicht auf den für mich üblichen Pfaden im Internet zu finden sind 😉 So habe ich gestern nicht nur einige Stränge Garn und Visitenkarten in Umlauf gebracht, sondern auch noch einen hübschen Kammzug gefärbter Spinnwolle verkauft. Ich habe schon lang nicht mehr so viel geredet wie gestern, aber ich hatte einen wirklich interessanten Nachmittag!

Besonders hat mich gefreut, dass ich viel positives Feedback für die Garne erhalten habe – ich färbe schon wieder, was das Zeug hält, und nach dem Frankreichurlaub im Juli kümmere ich mich dann verstärkt um ein Online-Angebot.

 

Das neue Bliss Spinnrad von Woolmakers

… ist jetzt endlich spinnbereit!

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Das Spinnrad ist erst seit wenigen Wochen auf dem Markt, und es hat durch sein günstiges Preis-Leistungsverhältnis in Spinnkreisen bereits für einiges Aufsehen gesorgt. Für soviel Aufsehen, dass ich glatt eines bestellt habe.

An den meisten neuen Rädern kann ich immer sehr gut vorbeigucken. Aber da ich gerade ein leicht laufendes Einzeltrittrad vermisste, um gemütlich auf dem Sofa abhängend zu spinnen, ohne dass ein eventuell fernsehguckender Mann zu stark durch Geräuschentwicklung abgelenkt wird, hat der günstige Einführungspreis mich glatt zu einem Spontankauf verleiten können.

Mein Spinnrad kam schnell an, ließ sich superleicht zusammenbauen, und ich war von Anfang an sehr zufrieden damit. Für die 230 Euro inkl. Versand, die es momentan kostet (nein, ich bekomme kein Geld für Werbung!), kann man da nichts falsch machen, denn von seinen Spinneigenschaften und der Technik kann es mit einigen doppelt so teuren Rädern sehr gut mithalten.

Leider war bei meinem Modell die Position der Antriebsrillen auf der Spinnflügelachse minimal verschoben, so dass ich den sehr zuvorkommenden und zügigen Kundenservice in Anspruch nehmen musste. Innerhalb weniger Tage hatte ich ein Ersatzteil, und jetzt wird das Bliss erstmal in den Dauertest genommen.

Mein erstes Navajoverzwirntes

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Aus einer selbstgefärbten Wolle/Seide Mischung habe ich einen dünnen Single gesponnen. Da ich die Farben so hübsch finde und den Farbverlauf erhalten wollte, habe ich ausnahmsweise mal 3fädig gezwirnt und das Navajozwirnen ausprobiert.

Mein Garn  hat noch so einige Macken, da mir anfangs ab und an der Single gerissen ist beim Zwirnen. Als ich den Dreh aber mal so richtig raus hatte, flutschte es wie von selbst. Vom Ergebnis bin ich etwas überrascht: Auf 53g dieses ersten Stranges habe ich ca. 390m Lauflänge herausbekommen im Dreifachzwirn! Das war gar nicht so geplant.

Ich vermute, dass ich mich einfach noch nicht daran gewöhnt habe, wie dünn die Wohlfühlspinnstärke beim 2fädigen Antrieb meines Tom-Rades ist. Ich habe noch 2/3 des Kammzugs vor mir. Da kann ich mir ja schonmal überlegen, was ich aus soviel buntem Lacegarn stricken möchte 🙂